Profil mit Rahmen

wittgensteiner


Wittgensteiner Livejournal

Ein Wittgensteiner (Roland Treude) auf Abwegen


Die neue Brunnenvergiftung: Wie saubere Autos zu Drecksschleudern werden
Profil mit Rahmen
wittgensteiner
Plusminus hat gestern über Manipulationen an Fahrzeugen berichtet, in welchen die Abgasvorrichtungen abgeschaltet oder deaktiviert und unwirksam gemacht werden, um z. B. einen geringeren Verbrauch zu bekommen oder aber sich das Tanken von Adblue zu sparen.

Manipulation: Wie saubere Autos zu Drecksschleudern werden

Berichtet wurde davon, dass sowohl bei Diesel-LKWs als auch -PKWs Manipulationen vorgenommen wurden, um die Abgasanlagen zur Schadstoffminderung zu deaktivieren. Bei einem LKW wurde bei einer Kontrolle festgestellt, dass die Sicherung für Abgasanlage defekt war. Bei einer genauer Analyse wurde festgestellt, dass ein sogenannter Adblue-Emulator eingebaut worden war. Mit diesem lasse sich die Abgas-Reinigung abschalten. Das habe zur Folge, dass kein Adblue getankt werden müsse. "... diese Adblue-Emulatoren (...) machen aus eigentlich hochmodernen, schadstoffarmen Fahrzeugen regelrechte Dreckschleudern, wie Kontrolleur Michael Dransmann berichtet: 'Der haut wirklich Partikel raus ohne Ende. Die ganzen Stickoxide, die normalerweise durch das Adblue gemindert würden, gehen so ins Freie.'"

Bei den Diesel-PKWs seien solche Manipulationen "regelrecht zum Volkssport" geworden. Hier werde z. B. die Abgasrückführung deaktiviert. Bei der Abgasrückführung wird ein Teil der Abgase in den Motor wieder zurück geführt, was eine Reduzierung der Stickoxid-Werte bewirkt. Dadurch steigt allerdings der Verbrauch geringfügig. Deshalb würde dann die Abgasrückführung deaktiviert, mit dem Effekt, dass die "Stickoxid-Emissionen mindestens um das Fünf- bis Zehnfache" steigen würden.

Es gebe dazu sogar offizielle Originalersatzteile der Hersteller: eine Stilllegungsblende anstelle des Abgasrückführungsventils. Gezeigt wurde ein Beispiel von VW mit Teilenummer und VW-Logo (ausgerechnet VW!).

Schließlich wurde auch von deaktivierten Dieselpartikelfiltern gesprochen. Dabei würden gut "99 Prozent der gesundheitsgefährdenden Partikel" durch die Dieselpartikelfilter eliminiert werden.

Zu guter Letzt zeigte der Umweltexperte Dr. Axel Friedrich noch mit einem mobilen Messgerät die Emissionen (Partikelausstoss) der vorbeifahrenden Autos:
"Während bei sauberen Fahrzeugen sich die Partikelanzahl in der Luft kaum verändert, steigt der Wert bei manipulierten Fahrzeugen deutlich an. Selbst in einer Entfernung von gut drei Metern verzehnfacht sich die Anzahl der Partikel in der Luft noch."

Erschreckend war für mich, dass sogar über den Abstand für über 3 m (in Worten: drei Meter) der erhöhte Partikelausstoss gemessen werden konnte - und das auch sehr direkt, ohne große Verzögerung. Ich hätte nicht gedacht, dass die Abgase der Verbrennungsmotoren so weit so schnell abstrahlen, strömen, sich verteilen.

Dass solche Manipulationen alle illegal sind, soll nur erwähnt sein. Dass dem TÜV z. B. die gesetzlichen Grundlagen zur Überprüfung allein solcher Manipulationen fehlen, wurde auch erwähnt.

Kürzlich hatte ich noch eine Diskussion um das mögliche Fahrverbot für Diesel-Fahrzeuge, die die Abgasvorschriften nicht einhalten würden. Um dem Diskussionsteilnehmer die Brisanz klar zu machen, hatte ich diese Übertreibung gewählt: Wenn z. B. Zyankali den Verbrauch der Fahrzeuge mindern oder aber die Leistung steigern würde, gäbe es genügend Leute, die Zyankali dem Kraftstoffzusätzen würden, um die Leistungssteigerung zu bekommen oder einen geringeren Verbrauch zu erreichen - egal ob hinter ihnen die Menschen und Tiere an den Zyankali-Abgasen krepieren oder nicht.

Diese oben geschilderten Manipulationen bei den Diesel-Motoren zeigt mir meines Erachtens, dass meine Zyankali-"Übertreibungen in Richtung Wahrheit" einen wahren Kern haben.

Wenn ich denn an dem Bahnübergang stehe, weil dort die Schranken herunter gelassen wurden, laufen oftmals die Motoren der dort warten PKWs und LKWs weiter - erst Recht die Dieselmotoren. Warum bei diesen, weiß ich nicht. Man bekommt manchmal auch mit, dass die Abschaltautomatik deaktiviert wird, damit der Motor weiter läuft! Ich stelle mir dann manchmal vor, dass man mit einem langen Schlauch den Fahrern dieser Vehikel die Abgase durch das zumeist geöffnete Fenster in den Innenraum umleitet. Was wäre der Aufschrei groß. Man würde der vorsätzlichen Körperverletzung bezichtigt. Dass dagegen andere deren Abgase unnötig abbekommen sollen, macht ihnen dagegen wohl gar nichts aus.

Auch stelle ich mir manchmal vor, die Abgase und die angesaugte Luft zu visualisieren. Es gab mal eine Zeit, als die Abgase der Vehikel noch mit einem blauen Dunst oder rusenden Partikeln sichtbar waren. Die Automobilindustrie hat sich hier meines Erachtens nur die Mühe gegeben, diese Abgase unsichtbar zu machen. "Aus den Augen, aus dem Sinn!" Könnte man dagegen zeigen, wieviel Luft ein Motor ansaugt und wieviel Abgase (egal, ob nun besonders schadhaft oder weniger schadhaft) summa summarum durch einen Verbrennungsmotor durchgezogen und heraus gepresst werden, bekämen wir vielleicht ein anderes Bewusstsein hierfür. Bei Wasser werden zum Beispiel manchmal unbedenkliche Farbstoffe zugesetzt, um die Strömung, der Verlauf oder dergleichen sichtbar zu machen. Wie wäre es mit den Abgasen eines Verbrennungsmotors.

Um noch einmal auf die möglichen Fahrverbote zurück zu kommen: VW und andere Automobilhersteller bringen Fahrzeuge auf den Markt, deren zugesicherten Abgaswerte (Euro 6 z. B.) nicht eingehalten werden. Der Käufer eines solchen Wagens hat sich auf die zugesicherten Abgaswerte und -eigenschaften verlassen und wurde von den Herstellern getäuscht. Meines Erachtens müssten die Herrsteller komplett nachbessern - und das nicht zu Lasten der Käufer. Das gelieferte Produkt entspricht nicht den zugesicherten Eigenschaften im Realbetrieb!

Wenn denn nun unabhängig dieser Manipulationen der Hersteller die Halter der Vehikel solche illegalen Manipulationen wie sie von Plusminus berichtet wurden, vorgenommen haben, sollte ein Fahrverbot doch das Mindeste sein.

Für mich ist das ein Skandal, der einer Brunnenvergiftung gleich kommt. Nur geht es um unsere Luft zum Atmen.

30 km/h eine Zumutung und Unvermögen
Profil mit Rahmen
wittgensteiner

Fahre fast täglich mit dem Rad eine schmale Straße, in welcher die zulässige Geschwindigkt auf 30 km/h beschränkt ist.
Die Straße ich schmal und eng, so dass zwei sich begegnende Autos jeweils äußerst rechts an den Fahrbahnrand fahren müssen, um sich nicht zu touchieren. Dass dann der Fahrbahnrand unbefestigt ist, sollte vielleicht auch noch erwähnt sein.

Mit reiner Muskelkraft schaffe ich es so gut wie nie, diese 30 km/h zu erreichen - so jedenfalls mein Fahrrad-Computer. Wenn allerdings die Windverhältnisse gut sind, das heißt: kein Gegenwind sondern vielleicht sogar Rückenwind, komme ich oftmals an diese 30 km/h deutlich heran.

Ich werde dann allerdings zumeist immer noch mit signifikant höherer Geschwindigkeit überholt - oftmals mit Unterschreitung des Sicherheitsabstandes.

Mir kommt dann immer der Gedanke, dass doch die 30 km/h eine Zumutung sind. Ich schaffe es mit dem Rad kaum diese Geschwindigkeit zu erreichen und die Autofahrer schaffen es kaum, so langsam zu fahren.

Ferner nötige ich als Radfahrer die Autofahrer, für die ich ja wohl per se eine Behinderung bin, mit überhöhter Geschwindigkeit zu fahren, weil sie mich ja unbedingt überholen müssen.

Schließlich denkt es mir dann auch noch, dass es ein Unvermögen der Autofahrer ist, so langsam mit ihren Vehikeln zu fahren. Denn das fordert Feingefühl in den Füssen und setzt ein äußerst differenziertes Gasgeben voraus. Nicht das digitale Null oder Eins: Kein Gas oder Vollgas, sind hier gefragt. Und dazu scheinen sie in ihren Machomobilen nicht in der Lage zu sein. Als ob deren nach außen gestellte Potenz zugleich zu einem Unvermögen wird.


Versuch über die Straßenverkehrs-Ordnung und deren Gleichmachen, das geradezu ungerecht wird
Profil mit Rahmen
wittgensteiner

Bei dem aktuellen Verkehrsgeschehen kommt mir immer wieder der Gedanke, dass die Straßenverkehrs-Ordnung (StVO) ungerecht ist. Denn sie nivelliert alle sonstigen sozialen Errungenschaften.

Allein die Grundregeln des $1 der Straßenverkehrs-Ordnung sind hier schon eine Zumutung:

Es wird eine ständige Vorsicht und gegenseitige Rücksicht verlangt: (1) Die Teilnahme am Straßenverkehr erfordert ständige Vorsicht und gegenseitige Rücksicht.“

Das Verhalten im Verkehr soll keine Anderen schädigen, gefährden, behindern oder belästigen: (2) Wer am Verkehr teilnimmt hat sich so zu verhalten, dass kein Anderer geschädigt, gefährdet oder mehr, als nach den Umständen unvermeidbar, behindert oder belästigt wird.“

Oder im § 2 Abs. 5 Straßenbenutzung durch Fahrzeuge wird die „besondere Rücksicht auf zu Fuß Gehende, gefordert, wenn man davon absieht, dass sogar die Geschwindigkeit an den Fußgängerverkehr angepasst werden muss: „(…) Auf zu Fuß Gehende ist besondere Rücksicht zu nehmen. Der Fußgängerverkehr darf weder gefährdet noch behindert werden. Soweit erforderlich, muss die Geschwindigkeit an den Fußgängerverkehr angepasst werden. (…).“

Auch der § 3 Geschwindigkeit maßregelt mich wieder im Absatz 2a: „Wer ein Fahrzeug führt, muss sich gegenüber Kindern, hilfsbedürftigen und älteren Menschen, insbesondere durch Verminderung der Fahrgeschwindigkeit und durch Bremsbereitschaft, so verhalten, dass eine Gefährdung dieser Verkehrsteilnehmer ausgeschlossen ist.“

Der Stärker ist der, der auf den Schwächeren Rücksicht nehmen muss.

Da hat sich jemand in seinem sozialen Status hoch gearbeitet - zum Beispiel, indem er einen leistungsstarken Wagen fährt, und muss dann auf die schwächeren Verkehrsteilnehmer Rücksicht nehmen – als da wären die Fußgänger, besonders die Kinder.

Da kommt der SUV-Fahrer, der ja offensichtlich mehr Recht auf Straße hat als die anderen Verkehrsteilnehmer, an eine rechts vor links Kreuzung und muss dem von rechts kommenden Panda die Vorfahrt gewähren.

Da kommt der posierende Fahrer mit seinem getunten Machomobil an ebenso eine rechts vor links Kreuzung und muss den von rechts kommenden Radfahrer die Vorfahrt gewähren. Dabei haben doch eigentlich die Fahrer dieser protzenden Wagen einen höheren Status – zumindest in deren eigenen Ansehen.

Das ist doch für solch Erhabene ungerecht, dass die StVO sie gleich macht, alle ausnahmslos – wenn man für Sonderrechte bei Polizei, Feuerwehr und den Rettungswagen absieht. Hier gibt es weitergehende Vorrechte, die im Interesse der Allgemeinheit stehen oder der Rettung von Leib und Leben dienen. (Dass es dann solch „Erhabene“ gibt, die sich ohne weitere Legitimation Blaulichter anschaffen und zum Einsatz bringen, um ein solches Vorrecht für sich durchzusetzen, soll nur erwähnt sein.)

Egal wie hoch ihr Status in ihren Augen ist, egal wie mächtig ihr Vehikel ist, egal wie gewaltig sie fahren, sie alle müssen die Regeln achten, bei der roten Ampel stoppen, den anderen, so schwach sie auch sind und so wenig sie auch posen und protzen, die Vorfahrt gewähren.

Entsprechend ist die StVO aus Sicht der Machomobilisten ungerecht. Sie behindert deren Vormachtstreben, behindert sie in deren Aggressionsausübung. Ja, ein Vehikel, das derart über mehr Leistung und Volumen verfügt, ist meines Erachtens ein Akt der Aggressionsausübung im öffentlichen Straßenverkehr. Harald Welzer hat das in einem Beitrag vom 28.08.2016 im Deutschlandfunk präzisiert:

Wie es übrigens auch als sozial erwünscht gelten kann, mit riesigen Geländewagen durch deutsche Innenstädte zu pflügen, als sei überall Bagdad oder Kabul, wozu übrigens neuerdings noch das furchterregende und augenverletzende Lichtdesign hinzukommt. Man mag am liebsten gar nicht hinsehen, es macht ja auch Angst und soll es. Die Insassen sitzen übrigens nahezu unsichtbar hinter immer kleiner werdenden Scheiben, am besten noch abgedunkelt. Man zeigt nicht mehr, wer man ist, sondern was man anrichten könnte.“
http://www.deutschlandfunkkultur.de/motivation-von-attentaetern-und-amoklaeufern-wir-leben.2162.de.html?dram%3Aarticle_id=364264

Angesichts ihrer Machomobile haben sie vermeintlich mehr Recht auf Straße, Geschwindigkeit, Durchsetzung ihrer Fahrt. Nur die StVO hindert sie daran.

Die StVO behindert sie in ihrem Posen und Protzen, Dröhnen und quietschendem Gejammer. Deshalb wird die StVO für sie unsozial. Sie macht das Ungleiche gleich, gibt dem Schwächeren Rechte und damit Kraft, obwohl er ja so schwach und schmächtig ist, nicht über eine solche Power verfügt, wie sie von sich denken. Dabei nutzen sie doch nur die Power ihrer Geräte und schreiben sie sich deshalb zu, ohne je eine solche Power zu haben.

Hierbei muss ich immer wieder an Albert Schweitzer denken, der in seiner Rede bei der Entgegennahme des Nobel-Friedenspreises in Oslo am 4. November 1954 folgenden Ansatz vertreten hat:

Wagen wir die Dinge zu sehen, wie sie sind. Es hat sich ereignet, daß der Mensch ein Übermensch geworden ist. Sein Übermenschentum besteht darin, daß er auf Grund seiner Errungenschaften des Wissens und Könnens nicht nur über die in seinem Körper gegebenen physischen Kräfte verfügt, sondern auch solchen, die in der Natur vorhanden sind, gebietet und sie in Dienst nehmen kann. (...)

Der Übermensch leidet aber an einer verhängnisvollen geistigen Unvollkommenheit. Er bringt die übermenschliche Vernünftigkeit, die dem Besitz übermenschlicher Macht entsprechen sollte, nicht auf. Dieser bedürfte er, um von der von ihm errungenen Macht nur zur Verwirklichung des Sinnvollen und Guten, nicht auch zum Töten und Vernichten Gebrauch zu machen. Darum sind ihm die Errungenschaften des Wissens und Könnens mehr zum Verhängnis als zum Gewinn geworden.
(...)

Was uns aber eigentlich zu Bewußtsein kommen sollte und schon lange zuvor hätte kommen sollen, ist dies, daß wir als Übermenschen Unmenschen geworden sind.

Albert Schweitzer: Friede oder Atomkrieg. Vier Schriften. Mit einem Vorwort v. Erhard Eppler. München: Beck, 1981. S. 20 ff.

Und wenn ich schon bei Albert Schweitzer bin, sollte ich abschließend auf seine „Ehrfurcht vor dem Leben“ kommen und daraus eine 'Ehrfurcht vor den Verkehrsteilnehmern' postulieren. Denn wir alle habe ein Recht auf Mobilität – nicht Automobilität.

Ich bin Leben, das leben will, inmitten von Leben, das leben will.“

Albert Schweitzer: Die Ehrfurcht for dem Leben. Grundtexte aus fünf Jahrzehnten. Hrsg. v. Hans Walter Bähr. München: Beck 1982. S. 21

Eine Ehrfurcht vor den Verkehrsteilnehmern könnte vielleicht laut:
Ich bin Verkehrsteilnehmer, der sich bewegen will, inmitten von Verkehrsteilnehmern, die sich bewegen wollen.
Daraus folgt meines Erachtens ein Gebot der Rücksichtnahme auf die anderen Verkehrsteilnehmer, wie sie eben in der Straßenverkehrs-Ordnung gefordert wird.
Ein Toast auf die Straßenverkehrs-Ordnung!


"... da berühren sich Himmel und Erde": "Zutritt verboten!"
Profil mit Rahmen
wittgensteiner
In Düren diese Kapelle gesehen. Es ist das wohl das Muttergotteshäuschen der Pfarrei St. Lukas:



Über dem Eingang, der wohl augenblicklich renoviert wird, hing ein Transparent mit dem Text: "... da berühren sich Himmel und Erde".
Unten vor der Baustelle hing an einer rotweisen Kunststoffkette das Schild: "Zutritt verboten!"
Als ob wir nicht zugegen sein dürfen, wenn sich Himmel und Erde berühren.

Geisteswissenschaftler an die Macht
Profil mit Rahmen
wittgensteiner
In der FAZ heute im Feuilleton in der Rubrik Geisteswissenschaften diese 3 Meldungen gesehen:


  • Geisteswissenschaftler an die Macht

  • Ein großer Geist, der sich verzettelte

  • Das Denken im Straflager begreifen



Interessant ist es jetzt, die Reihenfolgen zu hinterfragen und ändern:


  • wenn Geisteswissenschaftler an die Macht kommen

  • kann Ein großer Geist, der sich verzettelte, dabei herauskommen

  • oder Das Denken im Straflager begreifen real werden

oder:


  • Wer Das Denken im Straflager begreifen will,

  • kann als Geisteswissenschaftler an die Macht kommen,

  • auch wenn Ein großer Geist, der sich verzettelte dabei heraus kommen kann

oder:


  • Wenn Ein großer Geist, der sich verzettelte

  • und er dabei Das Denken im Straflager begreifen will

  • kann er als Geisteswissenschaftler an die Macht kommen


"Kommen sie klar oder brauchen Sie eine Tüte?"
Profil mit Rahmen
wittgensteiner
Wurde kürzlich beim Bezahlen an der Kasse gefragt:
"Kommen sie klar oder brauchen Sie eine Tüte?"
Mir rutschte gleich ein: "Weder noch!" heraus.
Daraufhin stutzte der Verkäufer, nachdem er schon mit dem "noch" realisierte hatte, dass ich keine Tüte wünsche.
Doch dann merkte er, dass mit dem "weder" noch etwas war.
So fragte er nach: "Wie meinen Sie das?"
"Letzteres brauche ich nicht und ersteres würde ich nicht immer."
Wieder äußerste Verwunderung.
"Ich komme nicht immer klar!", habe ich nachgeschoben.
Da konnte er bedingt zustimmen.

Welzer: Bekämpfen können wir solche Taten also nur, indem wir uns nicht einschüchtern lassen.
Profil mit Rahmen
wittgensteiner
Harald Welzer hat einem Inerview in der FR gewarnt, uns vor den Attatenten hysterisch machen und uns in Angst und Schrecken versetzen zu lassen.


"Bekämpfen können wir solche Taten also nur, indem wir uns nicht einschüchtern lassen. Stärke können wir tatsächlich nur dadurch zeigen, dass wir uns in unserem normalen Leben nicht beeinträchtigen lassen. Auch wenn es gerade in den vergangenen Tagen sicherlich schwierig war, sich der Dramatik der Ereignisse zu entziehen."

Wenn  die Politik und die Gesellschaft hysterisch würden, sei es "genau das, was die Täter wollen."


"Der Amokläufer will für den Zeitpunkt seiner Tat die Allmacht und Stärke spüren. (...) Terroristen wollen die große Bühne für sich. Sie wollen leere Innenstädte. Sie wollen unsere Art zu leben verhindern. Das befeuert ihr Omnipotenzgefühl. Wenn wir unsere Freiheit beschränken, lockt das Terroristen eher an, als dass es sie abschreckt."

Wie wahr!

Freedom Love and Peace for the Police
Profil mit Rahmen
wittgensteiner
Seen in Cologne



"Flüchtlingskrise": Denkkrise, Krise der rechten Anschauung, Menschenkrise?
Profil mit Rahmen
wittgensteiner
Immer wieder wird von einer "Flüchtlingskrise" gesprochen.
Inwieweit ist das eine "Krise", was mit den Flüchtlingen passiert bzw. unterlassen wird?
Ist es nicht vielmehr eine Denkkrise, eine Krise des Denkens, dass von "Flüchtlingskrise" gesprochen wird?
Ist es nicht vielmehr eine Krise der rechten Anschauung?
Wo bleibt der Ansatz von "Nothilfe"?

Diese Menschen, deren Lebensgrundlagen zerstört worden sind, deren Leben von Krieg und Hunger bedroht sind, die in totalitären Systemen verfolgt werden, diese Menschen suchen ein Asyl, das ist einen Zufluchtsort, eine Unterkunft, Schutz vor den Gefahren und Verfolgungen. Und wenn diese Menschen, die und deren Leben so bedroht ist, flüchten aus den bedrohlichen Gefahrensituationen, wird das uns zu einer "Krise"?

Obwohl wir nicht ganz unschuldig sind an deren Lage, an deren Bedrohungen, an deren Hunger, ... - weil wir z. T. davon profitieren, indem wir diese totalitären Systeme unterstützen, Waffen in diese Regionen verkaufen, die Bodenschätzen haben wollen, die in deren Heimat unter eben diesen schlechten Bedingungen gefördert werden.

Und das soll eine "Flüchtlingskrise" sein?
Eine "Flüchtlingskrise" ist, wenn Menschen in Not sind?
Eine "Flüchtlingskrise" ist, wenn Menschen in Krisen kommen?
Eine "Flüchtlingskrise" ist, wenn Menschen in Krisen gebracht werden?

Eine Menschenkrise ist das!

Anders Tschernobyl: "Ewigkeitsnote" - "Tschernobyl ist überall"
Profil mit Rahmen
wittgensteiner
Zum 30. Jahrestag von Tschernobyl musste ich auch wieder an das Interview mit Günther Anders in der natur vom 12.12.1986 denken, das Manfred Bissinger mit ihm geführt hatte (Nochmal erschienen in: Anders, Günther (1987): Gewalt – ja oder nein. Eine notwendige Diskussion. Herausgegeben von Manfred Bissinger. München: Knaur). Man muss sich einfach diese Passagen immer wieder neu über der Zunge zergehen lassen:
Bissinger: Nach dem Super-GAU von Tschernobyl ist die Welt schnell wieder zur Tagesordnung übergegangen, und auf der steht Atom weiter ganz obenan. Von Abkehr reden und denken nur noch die Oppositionellen, die, die das immer schon getan haben. Sie, Günther Anders, sind zwei­fellos einer ihrer geistigen Väter. Hatten Sie sich eigentlich vom Tschernobyl-Schock mehr erwar­tet?

Anders: Es ist unsere Aufgabe - und ich habe versucht, dieser Aufgabe nachzukommen -, es ist notwendig, diesem Schock eine »Ewigkeitsnote« zu geben. Wir dürfen nicht müde werden, den Leuten zu sagen: schaut, so etwas kann immer wieder passieren. Und das nicht nur deshalb, weil die russische Technik der westeuropäischen oder der amerikanischen unterlegen sei. Auch im Westen sind schon sehr viele Dinge schiefgegangen, und das kann sich jederzeit wiederholen, besonders in Frankreich, das ja besät ist mit den verschiedensten atomaren Installationen. Ich bin dafür, aus Tschernobyl - wie zynisch das auch klingen mag - ein Symbol zu machen, ebenso, wie aus Hiroshima, so wie ich es jedenfalls versucht habe, ein Symbol zu machen. Es war vollkommen berechtigt, daß hinter meinem Rücken aus meiner Parole »Hiroshima ist überall« der Satz »Tschernobyl ist überall« gemacht worden ist. Dieser zweite Satz hat sogar noch einen stärkeren Sinn als der erste: »Hiroshima ist überall« hatte bedeutet: »Was in Hiroshima passiert ist, das kann an jedem anderen Ort auf dem Globus auch passieren.« »Tschernobyl ist überall« bedeutet dage­gen: Wenn an einem einzigen Ort wie Tschernobyl ein Unglück eintritt, dann kann dieses überall miteintreten, nämlich alle Punkte der Erde erreichen. Dann wird es gewissermaßen zur »Seuche«.
Das ist fast 30 Jahre her, dass Günther Anders das sagte! Heute müssten wir das um Belgien erweitern, aber auch viele weitere Länder, die nach wie vor auf Atomkraftwerke setzen.

?

Log in

No account? Create an account