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Wittgensteiner Livejournal

Ein Wittgensteiner (Roland Treude) auf Abwegen


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Die neue Brunnenvergiftung: Wie saubere Autos zu Drecksschleudern werden
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Plusminus hat gestern über Manipulationen an Fahrzeugen berichtet, in welchen die Abgasvorrichtungen abgeschaltet oder deaktiviert und unwirksam gemacht werden, um z. B. einen geringeren Verbrauch zu bekommen oder aber sich das Tanken von Adblue zu sparen.

Manipulation: Wie saubere Autos zu Drecksschleudern werden

Berichtet wurde davon, dass sowohl bei Diesel-LKWs als auch -PKWs Manipulationen vorgenommen wurden, um die Abgasanlagen zur Schadstoffminderung zu deaktivieren. Bei einem LKW wurde bei einer Kontrolle festgestellt, dass die Sicherung für Abgasanlage defekt war. Bei einer genauer Analyse wurde festgestellt, dass ein sogenannter Adblue-Emulator eingebaut worden war. Mit diesem lasse sich die Abgas-Reinigung abschalten. Das habe zur Folge, dass kein Adblue getankt werden müsse. "... diese Adblue-Emulatoren (...) machen aus eigentlich hochmodernen, schadstoffarmen Fahrzeugen regelrechte Dreckschleudern, wie Kontrolleur Michael Dransmann berichtet: 'Der haut wirklich Partikel raus ohne Ende. Die ganzen Stickoxide, die normalerweise durch das Adblue gemindert würden, gehen so ins Freie.'"

Bei den Diesel-PKWs seien solche Manipulationen "regelrecht zum Volkssport" geworden. Hier werde z. B. die Abgasrückführung deaktiviert. Bei der Abgasrückführung wird ein Teil der Abgase in den Motor wieder zurück geführt, was eine Reduzierung der Stickoxid-Werte bewirkt. Dadurch steigt allerdings der Verbrauch geringfügig. Deshalb würde dann die Abgasrückführung deaktiviert, mit dem Effekt, dass die "Stickoxid-Emissionen mindestens um das Fünf- bis Zehnfache" steigen würden.

Es gebe dazu sogar offizielle Originalersatzteile der Hersteller: eine Stilllegungsblende anstelle des Abgasrückführungsventils. Gezeigt wurde ein Beispiel von VW mit Teilenummer und VW-Logo (ausgerechnet VW!).

Schließlich wurde auch von deaktivierten Dieselpartikelfiltern gesprochen. Dabei würden gut "99 Prozent der gesundheitsgefährdenden Partikel" durch die Dieselpartikelfilter eliminiert werden.

Zu guter Letzt zeigte der Umweltexperte Dr. Axel Friedrich noch mit einem mobilen Messgerät die Emissionen (Partikelausstoss) der vorbeifahrenden Autos:
"Während bei sauberen Fahrzeugen sich die Partikelanzahl in der Luft kaum verändert, steigt der Wert bei manipulierten Fahrzeugen deutlich an. Selbst in einer Entfernung von gut drei Metern verzehnfacht sich die Anzahl der Partikel in der Luft noch."

Erschreckend war für mich, dass sogar über den Abstand für über 3 m (in Worten: drei Meter) der erhöhte Partikelausstoss gemessen werden konnte - und das auch sehr direkt, ohne große Verzögerung. Ich hätte nicht gedacht, dass die Abgase der Verbrennungsmotoren so weit so schnell abstrahlen, strömen, sich verteilen.

Dass solche Manipulationen alle illegal sind, soll nur erwähnt sein. Dass dem TÜV z. B. die gesetzlichen Grundlagen zur Überprüfung allein solcher Manipulationen fehlen, wurde auch erwähnt.

Kürzlich hatte ich noch eine Diskussion um das mögliche Fahrverbot für Diesel-Fahrzeuge, die die Abgasvorschriften nicht einhalten würden. Um dem Diskussionsteilnehmer die Brisanz klar zu machen, hatte ich diese Übertreibung gewählt: Wenn z. B. Zyankali den Verbrauch der Fahrzeuge mindern oder aber die Leistung steigern würde, gäbe es genügend Leute, die Zyankali dem Kraftstoffzusätzen würden, um die Leistungssteigerung zu bekommen oder einen geringeren Verbrauch zu erreichen - egal ob hinter ihnen die Menschen und Tiere an den Zyankali-Abgasen krepieren oder nicht.

Diese oben geschilderten Manipulationen bei den Diesel-Motoren zeigt mir meines Erachtens, dass meine Zyankali-"Übertreibungen in Richtung Wahrheit" einen wahren Kern haben.

Wenn ich denn an dem Bahnübergang stehe, weil dort die Schranken herunter gelassen wurden, laufen oftmals die Motoren der dort warten PKWs und LKWs weiter - erst Recht die Dieselmotoren. Warum bei diesen, weiß ich nicht. Man bekommt manchmal auch mit, dass die Abschaltautomatik deaktiviert wird, damit der Motor weiter läuft! Ich stelle mir dann manchmal vor, dass man mit einem langen Schlauch den Fahrern dieser Vehikel die Abgase durch das zumeist geöffnete Fenster in den Innenraum umleitet. Was wäre der Aufschrei groß. Man würde der vorsätzlichen Körperverletzung bezichtigt. Dass dagegen andere deren Abgase unnötig abbekommen sollen, macht ihnen dagegen wohl gar nichts aus.

Auch stelle ich mir manchmal vor, die Abgase und die angesaugte Luft zu visualisieren. Es gab mal eine Zeit, als die Abgase der Vehikel noch mit einem blauen Dunst oder rusenden Partikeln sichtbar waren. Die Automobilindustrie hat sich hier meines Erachtens nur die Mühe gegeben, diese Abgase unsichtbar zu machen. "Aus den Augen, aus dem Sinn!" Könnte man dagegen zeigen, wieviel Luft ein Motor ansaugt und wieviel Abgase (egal, ob nun besonders schadhaft oder weniger schadhaft) summa summarum durch einen Verbrennungsmotor durchgezogen und heraus gepresst werden, bekämen wir vielleicht ein anderes Bewusstsein hierfür. Bei Wasser werden zum Beispiel manchmal unbedenkliche Farbstoffe zugesetzt, um die Strömung, der Verlauf oder dergleichen sichtbar zu machen. Wie wäre es mit den Abgasen eines Verbrennungsmotors.

Um noch einmal auf die möglichen Fahrverbote zurück zu kommen: VW und andere Automobilhersteller bringen Fahrzeuge auf den Markt, deren zugesicherten Abgaswerte (Euro 6 z. B.) nicht eingehalten werden. Der Käufer eines solchen Wagens hat sich auf die zugesicherten Abgaswerte und -eigenschaften verlassen und wurde von den Herstellern getäuscht. Meines Erachtens müssten die Herrsteller komplett nachbessern - und das nicht zu Lasten der Käufer. Das gelieferte Produkt entspricht nicht den zugesicherten Eigenschaften im Realbetrieb!

Wenn denn nun unabhängig dieser Manipulationen der Hersteller die Halter der Vehikel solche illegalen Manipulationen wie sie von Plusminus berichtet wurden, vorgenommen haben, sollte ein Fahrverbot doch das Mindeste sein.

Für mich ist das ein Skandal, der einer Brunnenvergiftung gleich kommt. Nur geht es um unsere Luft zum Atmen.